Artikel aus der "Zahnarztwoche"

 

Komplexe orale Restauration mittels „Team“-Platation perfekt gelöst

Oftmals werden bei umfangreichen oralen Rehabitilationen außer parodontaler Aufbereitung, Präparationen und Implantationen noch weitere chirurgische Maßnahmen wie Augmentationen, Sinuslift u.ä. erforderlich. Da sich dies im vorliegenden Fall so darstellte, entschloss sich der behandelnde Zahnarzt Michael Tiedt, Schwäbisch Hall zur Zusammenarbeit mit dem Oralchirurgen Dr. F. Kehrer, Backnang. Die Ausführung der zahntechnischen Arbeiten erfolgten im Labor gerhardt Zahntechnik, Untermünkheim bei Schwäbisch Hall. Die Ausgangssituation bei Fr. G.A.: Breites Diastema, verschobene Mitte, sehr hohe Lachlinie.

Behandlungsablauf Dr. Kehrer:

Bei der 53-jährigen Patientin mussten im Oberkiefer rechts sämtliche Prämolaren und Molaren entfernt werden, ebenso ein Prämolar und ein Molar auf der linken Seite des Oberkiefers. Diese Zähne waren- ebenso wie Zahn 12- wegen schwerer parodontelen Vorschädigungen nicht mehr erhaltungswürdig. Die Zahnextraktionen erfolgten am 09.11.2010. Während der Abheilphase trug die Patientin einen herausnehmbaren Interimsersatz. Nach Überprüfung und zur Sicherung des Restzahnbestandes wurde eine Parodonteltherapie vorgeschaltet, die erfolgreich verlief. Nach Beratung durch den Hauszahnarzt entschloss sich die Patientin für eine Versorgung mit Implantaten und wurde zur Implantatberatung zu uns überwiesen. So erstellten wir in Absprache mit der Patientin, dem behandelnden Zahnarzt und dem Zahntechniker eine Implantatplanung. Vorgesehen war die Implantation an den Positionen 14,15,16 sowie 25,26; ein Einzelzahn- Implantat bei 12 komplettierte die Planung.

Operatives Vorgehen:

In Lokalanaesthesie und in Sedierung erfolgte eine typische Schnittführung auf der Cresta alveolaris des Oberkiefers links und rechts. Wegen des erheblichen Knochendefizites in regio 25,26 wurde ein 4x1,5 cm großes Knochentransplantat retromolar bei 38 entnommen und mit Osteosyntheseschrauben eingebracht. In Gegend 14-16 wurde ebenfalls augmentiert. Zum Ausgleich des Knochendefizites rechts und der Spaltbildung links erfolgte eine Augmentation bzw. Ausgleichung mit Knochenspänen gemischt mit alloplastischem Knochenmaterial und Eigenblut. Zur Fixierung diente eine Bio- Gide- Collagenmembran, die mit Membrannägeln fixiert wurde. Zusätzlich erfolgte die Implantat- Insertion bei 12 und 14. Das Implantat bei 12 heilte transgingival ein und war mit einem Gingivaformer versehen. Vier Monate später erfolgte die Zweitoperation in Lokalanaesthesie. Nach Entfernung der Osteosyntheseschrauben erfolgte die Insertion von vier Implantaten bei 16,15,14,und 26. Das Implantat bei 14 wurde freigelegt und mit einem Gingivaformer versehen. Drei Monate nach der Zweitoperation konnten die Implantate 16,15,25 und 26 freigelegt bzw. belastet werden. Sechs Wochen später führte dann der Hauszahnarzt in enger Zusammenarbeit mit dem Zahntechniker die Versorgung mit der Suprakonstruktion durch.

Behandlungsablauf Zahnarzt Michael Tiedt:

Da die Einheilphase sehr zufrieden stellend verlaufen war, konnte nun mit der Prothetik begonnen werden. Bei der Frontrestbezahnung handelte es sich durchweg um vitale, parodontal gesunde Zähne, die zuvor teils überkront, teils mit umfangreichen Füllungen versorgt waren. Zahnstellung, Zahnform, Zahnfarbe und Zustand der vorhandenen Restauration ließen zu wünschen übrig. Immerhin war die Patientin mit dem Recallsystem, mit professionellen Zahnreinigungen und häuslicher Zahnzwischenraumhygiene vertraut. Nach der Herstellung eines wax-up durch den Zahntechniker und in Absprache mit der Patientin entschlossen wir uns für eine festsitzende Versorgung mit Zirkonkronen und –brücken.

Die prothetische Phase begann mit der Präparation der Restbezahnung und der Abformung mit einem individuellen Abdrucklöffel und mit offener Abformtechnik unter Einsatz eines Polyäther- Abformmaterials. Die provisorische Versorgung erfolgte durch ein nanogefülltes BIS- Acrylat-Composite, das auf Basis des wax-up hergestellt wurde. Am darauf folgenden Tag fanden Bissregistrierungen und funktionsdiagnostische Maßnahmen statt. Viezehn Tage später fand die Rohbrand- Anprobe statt. Schon hier war zu erkennen, dass der Zahnersatz funktionell und ästhetsich sehr zufrieden stellend ausfallen würde. Allerdings entsprach die Brückenglied- Auflagefläche Regio 22 noch nicht unseren Vorstellungen im Sinne einer ponticovoiden, also konvexen Auflage. Deshalb führten wir noch eine punktuelle Abformung des zahnlosen Kieferkammbereichs durch, damit entsprechend aufgebrannt werden konnte. Schon am nächsten Tag erfolgte die provisorische Eingliederung des gesamten Zahnersatzes mit einem eugnolfreien Zinkoxid- Zements. Nach einmonatigem Probetragen wurden die Vollkeramikkronen und –brücken mit einem Glasionomerzement definitiv befestigt. Der Zahnersatz ist nunmehr seit zwei Jahren in situ, die Pfeiler sind vital und die Parodontien sind entzündungsfrei.Die Aufteilung wurde verändert, nur ein kleines Dreieck ist von dem breiten Diastema geblieben. Die Gingiva beim Implantat 12 wird erfahrungsgemäß noch ca. 1mm zurückgehen. Die cervicale Länge des Brückengliedes 22 erschien uns als noch akzeptabel.  

                                               

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ZTM Lutz Gerhardt:

Die chirurgischen Vorarbeiten durch den Oralchirurgen sowie die Pfeilerpräparation, die Abformungen und Registrierungen durch den behandelnden Zahnarzt stellten sich für uns Zahntechniker als exzellent dar und ermöglichten uns erst dadurch eine entsprechende Umsetzung zu hochwertigem Zahnersatz. Eingesetzt wurden Camlog- Implantate und individualisierte Konfektions- Abutments. Für das Implantat regio 12 wurde ein individuelles Zirkon- Abutment im CAD-CAM- Verfahren gefertigt und mit einer Titan- Klebebasis verklebt.

Auch die Kronen und Brücken wurden mit der eigenen CAD-CAM- Anlage (Sirona) hergestellt und mit VITA VM 9 verblendet. Wegen des beidseitigen Sinuslifts wurden die Kronen im Molarenbereich verblockt. Diese Maßnahme sollte eine bessere Primärstabilität gewährleisten. Eine Herausforderung stellte der –gewünschte- Wegfall des großen Diastemas dar. Durch eine etwas andere Aufteilung konnten wir es schließen, ohne dabei unnatürlich große Schneidezähne zu generieren.. (Siehe vorher- nachher). So zeigte dann auch die Rohbrand- Anprobe ein sehr erfreuliches Ergebnis: Alle (!) approximalen und okklusalen Kontakte waren perfekt. Ein neues Bissregistrat oder andere Korrekturen (außer der Unterfütterung 22) waren nicht nötig. Auch von der Ästhetik waren sowohl die Patientin als auch der Zahnarzt sofort uneingeschränkt angetan. Nach unserer Überzeugung ist solch ein Ergebnis nur durch eine gute Planung, der adäquaten handwerklichen Umsetzung und last but not least durch eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit aller Beteiligten möglich. Gefertigt wurde der Zahnersatz von unserem langjährigen Mitarbeiter ZT Albert Butsch.

Dr. Frank Kehrer, Backnang - www.kehrer-jeggle.de
Za. Michael Tiedt, Schwäbisch Hall
ZTM Lutz Gerhardt, Untermünkheim